Transdisziplinäre Herausforderungen

Der Masterstudiengang RASUM ist kompetenzorientiert aufgebaut. Im Mittelpunkt steht die Frage, über welche Kompetenzen die Studierenden

  • zur Analyse von Problemen,
  • zur Entwicklung von Lösungsstrategien und
  • zur Gestaltung von Veränderungsprozessen

verfügen müssen, um Unternehmen (und sonstige Organisationen)  darin zu unterstützen, von einem reaktiven Risikomanagement zu einem proaktiven Nachhaltigkeitsmanagement zu gelangen.  Aus dieser Perspektive ergibt sich das notwendige Wissen (einschließlich der Theorien und Methoden), die neben anderen Faktoren für den Erwerb der Kompetenzen erforderlich sind. Dies verlangt, bezogen auf die jeweiligen Problem- und Handlungskonstellationen,

  • Wissen über ethisch und regulativ begründete Ziele (Orientierungswissen) mit
  • Wissen über das technische und soziale Gesamtsystem (Systemwissen) aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven und
  • Wissen über Mittel und Wege, dieses praktisch nutzen zu können (Transformatives Wissen),

zu verbinden.  

Wer gesellschaftliche und betriebliche Entwicklungsprozesse bewerten und vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Expertise einen Beitrag zur Strategieentwicklung und Entscheidungsfindung leisten möchte (Qualifikationsziel 2), der muss über die Einhaltung zwingender rechtlicher Anforderungen hinaus auch ethische Grundprinzipien und gesellschaftliche Leitbilder kennen und in der Lage sein, daraus Anforderungen an die Wahrnehmung individueller wie organisationaler Verantwortung zu formulieren um einen entsprechenden Veränderungsbedarf bestimmen und begründen zu können (Orientierungswissen). Darüber hinaus geht es auch darum, zu verstehen, dass normative Vorgaben Ergebnisse von Gestaltungs- und Aushandlungsprozessen sind und Unternehmen auf die notwendigen „Hilfestellungen“ (Rahmenbedingungen) von Staat und Gesellschaft angewiesen sind.

Entwicklungsprozesse in Technik und Gesellschaft in ihren sozialen, kulturellen, ökonomischen und ökologischen sowie regulativen Kontexten analysieren und im Hinblick auf den Umgang mit Risiken sowie den Kriterien der Nachhaltigen Entwicklung einzuordnen (Qualifikationsziel 1), setzt voraus, vielfältige Gestaltungsoptionen identifizieren zu können sowie die damit verbundenen Wirkungen, einschließlich der darin enthaltenen Risiken und Chancen zu analysieren und zu bewerten (Systemwissen), um auf dieser Grundlage, an betrieblichen und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen mitzuwirken. Notwendig ist hierfür ein grundlegendes Verständnis über,

  • naturwissenschaftlich-technische und betriebswirtschaftlich-organisationale Zusammenhänge sowie
  • systemische Zusammenhänge gegenwärtiger und zukünftiger Entwicklungen.

Wobei für beide Punkte die Mitwirkung der Akteure innerhalb und außerhalb der jeweiligen Organisation ebenso zu berücksichtigen ist wie deren Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen. Es geht darum, einerseits ein vertieftes Problemverständnis zu gewinnen, sich aber andererseits auch einen breiten Horizont zu bewahren, der es erlaubt unter Einbezug der Anforderungen, die sich aus den Kriterien nachhaltiger Entwicklung ergeben, innovative Gestaltungsoptionen zu identifizieren und deren Implikationen zu analysieren.

Wer Transformationsprozesse Nachhaltiger Entwicklung in Unternehmen und sonstigen Organisationen initiieren und gestalten und dazu mit (internen und externen) Akteuren disziplinübergreifend kommunizieren und kooperieren möchte (Qualifikationsziel 3), der muss in der Lage sein, die Anforderungen, die sich aus den Kriterien der Nachhaltigen Entwicklung ergeben, zusammenzuführen mit den Erkenntnissen, die sich aus dem anwendungsbezogenes Grundlagen- und Methodenwissen der unterschiedlichen Disziplinen ergeben und diese im Hinblick auf die praxisorientierte Gestaltung gesellschaftlicher und betrieblicher Veränderungsprozesse im Kontext des operativen und strategischen Managements unter Berücksichtigung von gesellschaftlichen Diskursen und rechtlichen Vorgaben realisieren. Letztlich geht es um die Synthese von normativer Orientierung, Systemwissen und operativen Fähigkeiten in der Ausgestaltung von Nachhaltigkeitsprozessen.

Praxisprobleme im Kontext von Risiko- und Nachhaltigkeitsfragen zu lösen, erfordert das Zusammenwirken von Akteuren aus Unternehmen, Branchen oder Wertschöpfungsketten, die eingebettet sind in gesamtgesellschaftliche Bewertungsvorgänge sowie formale und informale institutionelle Rahmenbedingungen.

Um hierfür die unterschiedlichen Interessen, Denkstile, Wahrnehmungsraster und Handlungsmuster maßgeblicher Akteure innerhalb und außerhalb von Unternehmen und sonstigen Organisationen (individuell wie gruppenübergreifend) als solche zu erkennen und darauf zugeschnittene Kommunikations- und Kooperationsstrategien zu entwickeln und umzusetzen und um in heterogenen Gruppen zu arbeiten und eigene Perspektiven mit denen anderer Akteure in Verbindung zu bringen (Qualifikationsziel 4), muss man lernen, interdisziplinär zu denken und zu arbeiten und unterschiedliche disziplinäre und professionellen „Denkstile“ und Verhaltensmuster wahrzunehmen und mit diesen umzugehen. Es geht darum, Unterschiede zwischen Kulturen, Disziplinen, sozialen Gruppen, Gemeinschaften und Individuen zu reflektieren, Wissen unterschiedlicher Akteure mit einzubeziehen und mit Stakeholdern unter Einbezug unterschiedlicher Sichtweisen verhandeln zu können sowie divergierende Positionen zu verstehen, zu vergleichen, kritisch zu hinterfragen und für gemeinsame Lösungen fruchtbar zu machen. Dies fasst die Formulierung „disziplinen- und handlungsfeldübergreifende Verständigung“ zusammen. Die Studierenden lernen, unterschiedliche disziplinäre „Denkstile“ als solche wahrzunehmen und spezifische professionelle Verhaltensmuster zu erkennen,, um auf dieser Basis eine Verständigung zwischen beteiligten Akteuren zu ermöglichen. Die disziplinen- und handlungsfeldübergreifende Verständigung nimmt im Studiengang eine Sonderrolle ein, da die Studierenden diese Aspekte in allen Lehrveranstaltungen einüben müssen.

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Studienbereich Sozial- und Kulturwissenschaften

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