Risiko, Nachhaltigkeit und Governance

Wenn es darum geht, Prozesse nachhaltiger Entwicklung zu initiieren, stellt sich die Frage, wie sich auf globaler wie auch auf der nationalen und regionalen Ebene Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensmodelle entwickeln lassen, die ermöglichen,

"dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können."  (Brundtlandt Report)

Dies betrifft sowohl das unternehmerische wie auch individuelle sowie das gesellschaftliche Handeln insgesamt. Die gemeinsame Verantwortung ist dabei generationsübergreifend ausgerichtet, was voraussetzt, dass man in der Lage ist, die vielfältigen Unsicherheiten über die Wirkungen unterschiedlicher Handlungsoptionen und über zukünftige soziale und technische Entwicklungen systematisch zu berücksichtigen und dabei zugleich Offenheit für weitere Lernprozesse zu bewahren.

Der heutige Umgang mit Unsicherheit, Risiken und Nichtwissen ist oftmals mit Konsequenzen verbunden, die weit in die Zukunft hineinreichend. Unser heutiges Handeln geht daher mit Verpflichtungen gegenüber der kommenden Generationen einher, wie dies etwa auch in Artikel 20a des Grundgesetzes zum Ausdruck kommt.

Risiko und Nachhaltigkeit sind dabei aus einer handlungsorientierten Perspektive in dreifacher Hinsicht verknüpft:

  1. Risiken und Chancen sind handlungsrelevant, wenn und soweit sie die Wahrnehmungsschwelle der Akteure überschreiten. Ändert sich der Bezugsrahmen oder der Zeithorizont, so ändert sich auch die Wahrnehmung der Akteure im Hinblick auf die erwünschten und unerwünschten Wirkungen.

  2. Will man heute Nachhaltigkeitspotentiale erschließen, muss man Strategien entwickeln, die die vielfältigen Unsicherheiten über die Wirkungen unterschiedlicher Handlungsoptionen und über zukünftige soziale und technische Entwicklungen berücksichtigen. Mit entsprechenden Methoden lassen sich die erwünschten und unerwünschten Wirkungen ("Chancen" und "Risiken") besser abschätzen und für die Gestaltung von Nachhaltigkeitsprozessen nutzen.

  3. Ein Umsteuern in Richtung Nachhaltiger Entwicklung verlangt eine proaktive Mitwirkung sowohl der Unternehmen als auch der Bürgerschaft insgesamt. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen folglich entsprechende Anreize setzen und Hemmnisse abbauen.
    Dazu gehört, gesellschaftliche Lernprozesse zu initiieren, die es den Akteuren erlauben, Risiken aus verschiedenen Perspektiven (integrativ) zu betrachten und auf dieser Basis von dem bislang vorherrschenden Umgang mit Risiken (siehe etwa: Europäische Umweltagentur - Late lessons from early warnings) zu einem proaktiven Herangehen zu gelangen.

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